Manchmal ist eine Wohnung mehr als nur ein Platz zum Wohnen...

Ich fahre in die Paralellstraße ein, in der ich immer parke und fühle mich noch immer müde und erschöpft von der Arbeit. Überlege mir noch angespannt was ich jetzt heute noch machen muss, wem ich schreiben sollte und was ich nicht vergessen darf. Ich parke, schnappe meinen Rucksack und steige aus dem Auto aus. Vogelgezwitscher und das Schnarren eines Rasenmäher begrüßen mich. Ich frage mich warum manchen Leuten das so wichtig ist und komme darüber wieder ins grübeln. Ich trotte mehr als dass ich gehe, die Stufe zu meiner Straße hinauf und atme das erste Mal erleichtert auf, als ich das Haus sehe. Ein piekfein gepflegter Garten, hübsche Balkone und an meinem, nichts. Nur ein Steckstuhl und sonst nichts. Irgendwie sieht es rebellisch aus und ich lächel das erste mal. „Mein Refugium!“ dann strahle ich sogar. Niemand gibt seiner Wohnung einen Namen, diese hier brauchte aber einen. Refugium kam mir ganz spontan. Für mich klingt es nicht nur nach Zuhause, sondern nach Zuflucht, Schutz, Sicherheit und meinen eigenen, mögen sie auch völlig bescheuert sein, Regeln.

Ich gehe durch den Eingang im Zaun, öffne den Briefkasten und finde darin: nichts. Doch im Gegensatz zu früher als mich ein leerer Briefkasten immer irgendwie traurig gemacht hat, fühlt es sich hier gut und passend an. Ich öffne die Türe und spüre sofort wie mir kühle, angenehme Luft entgegenschlägt. Ich lächel ein weiteres Mal und gehe langsam die Treppen nach oben. Dass es wärmer wird, merke ich zwar, aber es stört mich nicht. Auf meinem, dem obersten Treppenabsatz, setze ich meinen Rucksack ab, der mir plötzlich unheimlich schwer vorkommt. Ich ziehe im Stehen meine Schuhe aus und stelle sie neben die anderen in die Ecke. Schon wieder grinse ich, weil da nur drei paar Schuhe stehen und ich mich jedes Mal frage ob denn nicht zwei Paar reichen würden. Typisch ich eben. Ich bücke mich um den Rucksack wieder hoch zu heben, der sich jetzt plötzlich so schwer anfühlt, als hätte irgendjemand mir gerade heimlich noch Steine eingepackt. Ich stecke den Schlüssel in die Wohnungstür, schließe auf und öffne sie. Warme aber angenehme Luft begrüßt mich. Ich mache ganz leise die Tür hinter mir zu, schließe die Augen und atme tief den Geruch meines Refugiums ein. Ich stehe einfach so da, habe die Augen geschlossen und lehne mich an die Tür. Jetzt ist nur noch ganz leises Vogelgezwitscher zu hören, sonst gar nichts mehr. Ich gehe in das Technik Zimmer und stelle dort den Rucksack an seinen Platz und gehe in die Küche. In der Küche steht noch mein Frühstücksgeschirr in der Spüle. Die Küche strahlt freudige Geschäftigkeit aus und ich verspüre wieder einmal die Lust zu kochen in mir aufsteigen und kichere kopfschüttelnd vor mich hin. Dann geh ich ins Schlafzimmer. Ein warmer, sicherer Ort, wie eine Höhle. Ich schlüpfe langsam aus meiner Kleidung. Meine Klamotten hänge ich über das Kopfende des Bettes, da ich wegen der Dachschräge das Fußende gegen die Wand gestellt hab. Alles ist an seinem Platz, aber das Bett ist völlig zerwühlt. Ja, definitiv mein Schlafzimmer! Betten machen hab ich noch nie verstanden. Im Bad werfe ich meine Socken hinter die Tür zur Dreckwäsche. Ich genieße kurz das Gefühl der Fliesen unter meinen Füßen und lache mal wieder über das Glasfenster in der Badezimmertür. Ein Zimmer fehlt noch, wobei, für mich sind es eigentlich zwei. Ich laufe in mein Wohnzimmer, schaue mich um, grinse über meinen "nackten" Balkon und genieße die Weite, die dieses Zimmer ausstrahlt. Dann öffne ich den kleinen Pflanzen auf dem Fenstersims das Fenster ein Stück, drehe ich mich zu meinen anderen Kakteen um, und gehe auf meinen Massageraum zu. Es ist eigentlich kein Raum, sondern nur eine Ecke des Wohnzimmers, aber für mich sind das zwei völlig unterschiedliche Räume. Ich öffne auch meinen anderen Pflanzen das Fenster und atme tief ein.

Mein Refugium! Meine Zuflucht! Mein Zuhause!

Mein Refugium wird immer schöner, ruhiger und gemütlicher. 

Ich habe sogar nen grünen Daumen bekommen *strahl*